Studie von S&B Strategy
Studie von S&B Strategy

Klimaneutralität im Gebäudesektor - nicht vor 2075?

Die jüngste Studie der Münchner Unternehmensberatung S&B Strategy zeigt auf, dass die Klimaneutralität im Gebäudesektor erst 2075 realistisch erreicht werden könnte, statt des ursprünglich geplanten Ziels 2045. Die Studie offenbart sowohl Herausforderungen als auch mögliche Lösungsansätze zur Erreichung der Klimaziele.

Die gesamte Studie lässt sich unter diesem Link herunterladen. Wir haben die wichtigsten Inhalte jedoch zusammengefasst:

Schlüsselzahlen und Erkenntnisse

Die CO2-Reduktion im Gebäudesektor ist einer der größten Hebel zur Erreichung der Klimaneutralität, da 40% der Emissionen in diesem Bereich anfallen. Es müssen 15,7 Millionen Wohnbauten umfassend saniert werden. Etwa zwei Drittel des Einsparpotenzials liegen in der Sanierung von Fassaden, Dächern, Fenstern und Heizungen. Um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, sind kumulierte Investitionen von etwa 1,2 Billionen Euro erforderlich.

Die Analyse von S&B fokussiert sich auf Wohn- und Nichtwohngebäude sowie speziell auf die Gewerke Fassade, Dach, Fenster und Heizung. Die Modellberechnungen basieren auf dem Gesamtvolumen, dem Sanierungsbedarf, den Gesamtkosten der Sanierung und der Arbeitskapazität pro Gewerk.

Herausforderungen und Engpässe

Selbst unter den günstigsten Bedingungen wird das Ziel der CO2-neutralen Gebäudehülle bis 2045 wegen unzureichender Ressourcen und Produktivität zum Teil deutlich verfehlt. In fast 80% aller Gebäude in Deutschland muss bis 2045 die Heizung saniert werden, was einem Volumen von etwa 550 Milliarden Euro entspricht. Mehr als die Hälfte der deutschen Dachflächen ist sanierungsbedürftig, was einem Volumen von rund 322 Milliarden Euro bis 2045 entspricht. Hier scheint ein aktives regulatorisches Eingreifen notwendig.

Fokus auf Dach, Fassade und Fenster

  • Dachsanierungen: Mehr als die Hälfte der Dachfläche in Deutschland muss saniert werden, was ein Volumen von etwa 322 Milliarden Euro bis 2045 bedeutet. Aufgrund der bestehenden Kapazitäten und der aktuellen Sanierungsquote ist die Umsetzung dieser Sanierungen jedoch ohne sofortige und drastische Maßnahmen unwahrscheinlich.
  • Fassadensanierungen: Fast die Hälfte der deutschen Fassadenfläche ist bereits energetisch modernisiert, was ein verbleibendes Sanierungsvolumen von rund 206 Milliarden Euro bis 2045 bedeutet. Mit einer Sanierungsquote von 0,6% in 2023 kann die verbleibende Fassadenfläche bis 2045 nicht annähernd modernisiert werden.
  • Fenstersanierungen: Fast zwei Drittel der Fensterfläche in Deutschland ist bereits energetisch saniert, wobei sich das mittlere jährliche Sanierungsvolumen auf 4,1 Milliarden Euro beläuft. Der größte Anteil sanierungsbedürftiger Fenster besteht im Wohnungsbau, dessen Umsetzung aus heutiger Sicht ambitioniert erscheint.
Forecast_Studie S&B.png

Arbeitskräfte und Ausbildung

Die Gesamtzahl der Handwerker lag 2023 bei etwa 3,4 Millionen, wovon derzeit etwa 220.000 für die energetische Sanierung der vier Gewerke zur Verfügung stehen. Bis 2045 wird diese Zahl insgesamt steigen müssen. Die Zahl der Ausbildungsanfänger im Fenster- und Fassadenbau ist rückläufig, was ein offensichtliches Problem darstellt. Positiv zu sehen ist dagegen, dass die Zahl der Auszubildenden im Bereich Heizung und Dach gestiegen ist.

Produktivitätssteigerung als Schlüssel

Die effektivste Maßnahme zur Steigerung der Angebotskapazität liegt in der Erhöhung der Produktivität. Diese kann vor allem durch End-to-End-Prozesse erreicht werden, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Planung bis zur Ausführung integrieren. Produktivität kann auf der Produktebene gesteigert werden und sollte durch optimierte Prozesse und schlankere Regulatorik ergänzt werden. Bei richtiger Umsetzung erhöht dies das Sanierungsvolumen deutlich.

  • End-to-End-Prozesse: Diese umfassen alle Schritte von der Planung über die Fertigung bis zur Montage und können durch Digitalisierung und bessere Koordination optimiert werden.
  • Vorfertigung: Der Einsatz von vorgefertigten Bauelementen kann die Bauzeit verkürzen und die Effizienz erhöhen.
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Szenarien und Zukunftsaussichten

Die Studie sieht die vollständige Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 als sehr unwahrscheinlich und eigentlich kaum zu schaffen an. Selbst im ambitionierten, aber noch realistischen Szenario verfehlen wir nach den Berechnungen die Klimaziele. Bis zum Jahr 2060 wird die Bevölkerung in Deutschland deutlich abnehmen, was die Altersstruktur und den Anteil der Erwerbstätigen drastisch verändern wird.

Fazit

Um die Klimaneutralität im Gebäudesektor zu erreichen, bedarf es erheblicher Anstrengungen und Investitionen. Die Erhöhung der Produktivität, die Schaffung regulatorischer Anreize und der Einsatz nachwachsender Dämmstoffe sind Schlüsselmaßnahmen. Die aktuelle Zielsetzung bis 2045 scheint jedoch unter den gegebenen Umständen nicht realistisch.

Es liegt also viel Arbeit vor uns. Wir sehen uns mit WALLROUND durch diese Studie weiter darin bestätigt, dass Produktivität die beste und wahrscheinlich einzige Chance ist, trotz aller Widrigkeiten die Klimaziele schnellstmöglich zu erreichen. Klar ist: Es kann nicht so weitergehen wie bisher. Es braucht neue Lösungen, neue Marktteilnehmer und mehr Innovation im Sanierungsbereich, nur dann bewegt sich etwas.

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Für detaillierte Einblicke und visuelle Darstellungen empfehlen wir einen Blick in die vollständige Studie, die auf der Website von S&B Strategy verfügbar ist.